wolfgang sohm

Die Arbeitsweise in Wolfgang Sohm’s Konzepten beruht auf der Verschmelzung unterschiedlicher Wirklichkeitsbeschreibungen und Veränderungen von Materialgebrauch und dessen Lesart. Damit verbunden finden sich Elemente aus der medialen Gestaltungswelt in den Narrativen der Projekte. Diese Elemente ersetzten Diskurse über Kunst und Künstler der ausgehenden 1970er Jahre, um statt dessen als raumähnlich wirkendes durch Gleichsetzung von Gestalt, Abbild und Rezeption ähnlicher Erfahrung, gemeinsame Wahrnehmungsmodi lesbar zu machen.

Raumwahrnehmung – Installationsdetail 1982 – Foto: Michael-Peter Götze

Die Frage nach dem Geistigen in der Kunst, dem Hintergrund der Ordnung einer Komposition und Organisationen von Fläche, Raum und Wahrnehmung über die gesellschaftliche Bedingung hin zum Subjektiven als Basis der Existenz. Damit beginnt die Beschreibung der „Definition durch Geschehnis“ und deren Folgeprojekten ab 1980. Zur Gewährleistung dieser Vorgangsweise wurde wiederholt die individuelle Autorenschaft aufgehoben oder in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern eine Erweiterung der Werkzugehörigkeit vorgenommen. Ein im medialen Arbeiten selbstverständlicher Vorgang, in der Welt der bildenden Kunst meist unbeschrieben, wenn auch immer schon regulär und selbstverständlich, findet hier offene Beschreibung bei Formursprung und Gestaltwerdung des Gegebenen.

Aktionskonzept – Detail – um 1981

Über Projekte der Kollektiven Persönlichkeit Weiß und verschiedene Zusammenarbeiten von Wolfgang Sohm sind von ihm folgende Publikationen zugänglich:

Gemeinsames zum Gegensatz
Die zwischen 1980 und 1982 entstandenen Konzepte und Aktionen zur „Kollektiven Persönlichkeit“ bildeten den Anfang und die Ausgangsbasis der „Definition durch Geschehnis“ bei allen aus der „Kollektiven Persönlichkeit Weiß“ entstandenen Folgeprojekten, also bis hinauf in das Jahr 2003, die sich mit Übergabe und Übernahme des Unbewussten als auch Öffentlichen als dem bestimmenden Zustand gemeinschaftlicher Persönlichkeitsbildung befassten.

Eisen für Europa
Der imaginäre Raum ist Grundlage, Rohstoff für die Zukunft, „Eisen für Europa “ eben, wie er sich in der medialen Wirklichkeit Anfang der 90er Jahre und in der Folge in den hier vorgestellten Ausstellungen zeigt. Entsprechnungen, geschichtete Zeit, Erinnerungen, transponiert in zwei Installationsgruppen mit Teilen von Alfred Graselli, Ewald Kittl, Wilhelm Sohm und Wolfgang Sohm im Haus Wittgenstein 1992 und im Schloß Wolkersdorf 1994.

FORMenVORGANG
Diese Monographie über Arbeiten Robert Reszners aus den Jahren 1993 bis 2009 – sowie dessen Zusammenarbeit mit Wolfgang Sohm – entwickelt in einer Beschreibung dazugehöriger Arbeitshintergründe die Basis für eine Auseinandersetzung mit konzeptueller versus dinglicher Kunst als auch der Rezeption von Kunst und Künstlern aus dem Umfeld der „Kollektiven Persönlichkeit Weiß“ und deren aus dieser abgeleiteten Methode der „Definition durch Geschehnis“, einer konzeptorientierten Methode künstlerischer Praxis.

Über den Mond reiten – um 1981

In Wolfgang Sohm’s Arbeit als Bildhauer und Maler sichtbar, entstand nach einer Auseinandersetzung mit den Grundlagen der medialen Arbeit in den frühen Kindertagen durch Ausbildung und Unterstützung seines Vaters und dessen Umfeld ebenso eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen der modernen Kunst, die in dieser Umgebung – wegen gesundheitlicher Probleme meist nur mehr kurz in den 1960er Jahren zur Arbeitsfähigkeit kommender Künstler – primär aus Verantwortung gegenüber der Kunst an sich, als dem ultimativen Versuch individueller Würde verstanden und betrieben wurde.

Acryl auf Leinwand – um 1977

Im Rahmen dieser Prägung entstanden ab dem 12. Lebensjahr bildnerische Arbeiten in Form von Skizzen und Malereien, ab dem 18. Lebensjahr Texte zur Kunst mit Plänen zu Handlungsverläufen und Fotoarbeiten sowie mediale Erfassungen von Wirklichkeitsformen aus Material, Geräusch, prozessualer Struktur und historischer als auch artekatischer Analyse biografischer Vorgänge im Individuum und zu gesellschaftlichem Vollzug. Die Veränderung und damit eine Aufhebung des konventionellen Werkbegriffs vor Augen, zielte ab dem 18. Lebensjahr die Arbeit auf eine unabhängig von den Zeitströmungen in der kunstbetrieblichen Umgebung sich zeigenden Formenwelt, auf eine analytische Haltung gegenüber den Vorstellungen über Wirklichkeitsbildung in der Kunst und deren Repräsentation in Medialem und Artefaktischem ab. Daraus argumentiert sich die Zuordnung der eigenen Arbeit zur Konzeptkunst als geistiger Formfindung. Deren Gestalt durchdringt die Wahrnehmungsbildung und nicht den artefaktischen Raum einer Behauptung durch Musealitätsformate sichtbarer Dinge. Ergänzend zu den strukturell dominierten Arbeiten in seinen Konzepten bestand besonders in der frühen Arbeitsphase um 1980 bis nach 1990 eine Ausgangslage, die immer auch durch Handlungen in Malerei und Objekt – meist Installationen – eine Zuordnung von Konzepten zu Malerei und Installationskunst beinhalten.

Nachzeichnung – um 1981

So sind einfachstes Material und billigste Papiere die zusammenhangbildenden Materialien zu Schreibmaschinentext und Lichtzeichnung, Rythmik einer Handlungsanweisung und Sprachbildung sowie Formen von Ton, Licht, Bildsequenz und erinnernd wirkender Projektion. Diese Arbeitsvorgänge fanden prinzipiell unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt und waren nur punktuell aus Arbeitsnotwendigkeiten heraus öffentlich zugänglich gehalten. Die Abkehr vom Diskurs ist Vorbedingung zu dieser Werkbildung. Ab diesem Zeitpunkt erlischt das Museale und das Wirkliche beginnt Gestalt zu haben.